Muss man Agaporniden immer paarweise halten?

Werden diese Vögel überhaupt handzahm, wenn sie zu zweit sind? Wenn ja, wie?

Was mache ich, wenn ein Vogel meines Pärchens stirbt?

Nach dem Tod des Partnertieres haben wir für das Weibchen wieder einen neuen Vogel angeschafft, doch der Neue wird nur gejagt. Wird das noch werden?

Die beiden Vögel unseres Agaporniden-Pärchens streiten sich häufig. Brauchen sie einen anderen Partner?

Unser Vogel-Weibchen legt ständig Eier, was sollen wir dagegen tun?

Muss man Agaporniden immer paarweise halten?
Ja, ja, ja!
Ein Mensch kann niemals einen arteigenen Partner auch nur annähernd ersetzen - wie sollte er auch, er spricht nicht die gleiche Sprache, hat andere Verhaltensweisen, etc. Die Beziehung zwischen einzeln gehaltenem Vogel und Mensch ist keine, die freiwillig entsteht, sondern aus Mangel an Alternative. Dies gilt aber nicht nur für Unzertrennliche, sondern auch für fast alle anderen Vögel (Finken, Kanarien, Wellensittiche, Großpapageien) und Kleintiere (Meerschweinchen, Kaninchen, Müse, etc.). Alle diese Tiere leben naturgemäß in Gruppen oder mit einem festen Partner und genau das muß man bei der Haltung als Heimtiere immer berücksichtigen. Hält man ein solches geselliges Tier einzeln ohne artgleichen Partner, nimmt man ihm das Recht auf arteigene Kommunikation. Alle Tiere reagieren darauf mit Verhaltensabweichungen oder - störungen. Manche früher, manche später, manche stärker als andere - aber eine "Macke" bekommen sie alle. Es gibt allerdings Leute, die es nicht einmal bemerken, oder putzig finden, wenn Ihr Vogel sie füttert, angreift oder sich an Ersatzobjekten befriedigt...

Werden diese Vögel überhaupt zahm, wenn sie zu zweit sind? Wenn ja, wie?
Das kann niemand mit Sicherheit vorher sagen, denn dies hängt von ganz vielen Faktoren ab - wie die Vögel groß geworden sind, mit oder ohne Kontakt zum Menschen, wieviel man sich mit ihnen beschäftigt, ob man "nur" 2 hält oder einen ganzen Schwarm etc. Und letzendlich liegt es auch an jedem einzelnen Vogel selber - manche werden auch in der Gruppe zahm, manche nicht einmal bei Einzelhaltung. Ob und wie schnell Vögel zahm werden, und wie groß der Grad der Zahmheit sein wird, weiß man also vorher nie - jeder Vogel ist nunmal anders veranlagt.
Sie sollten also viel mit Ihren Vögeln sprechen, sich oft und lange bei den Tieren, bzw. deren Käfig aufhalten; nach einiger Zeit versuchen, Leckerbissen wie Kolbenhirse aus der Hand zu reichen, etc. Viele Vögel kommen dann irgendwann freiwillig zum Menschen, landen in der Nähe, der Schulter, dem Kopf, vielleichtsogar auf dem Finger. Wenn dies aber nicht passiert, muß man das als Mensch den Vögeln zuliebe akzeptieren. Ein wirklicher Liebhaber der Tiere wird dann auch damit zufrieden sein, den Vögel zuzuschauen - wie sie sich gegenseitig, kraulen, füttern und den ganzen Tag, 24 Stunden lang, kompromisslos füreinander da sind.

Was mache ich, wenn ein Vogel meines Pärchens stirbt?
Stirbt ein Vogel eines Pärchens ist es nicht so, wie oft angenommen, dass auch der verbleibende Vogel kurz darauf stirbt. Er trauert aber und ruft und deshalb ist es wichtig, dass er oder sie schnellstmöglich einen neuen Partner bekommt. Der neue Partner sollte der gleichen Agaporniden-Art angehören und das passende Gegengeschlecht besitzen. Das Alter des neu zukommenden Vogels ist da erst einmal zweitranging, Hauptsache die beiden Tiere passen zusammen und mögen sich! Kennt man das Geschlecht seines Vogels nicht, kann man versuchen, einen Züchter oder eine Papageien-Auffangstation zu finden, wo sich der Single-Vogel in einer Voliere mit Artgenossen seinen neuen Partner selber aussuchen kann.

Nach dem Tod des Partnertieres haben wir für das Weibchen wieder einen neuen Vogel angeschafft, doch der Neue wird nur gejagt. Wird das noch werden?
Für eine erwachsene Henne ist es ganz normal, daß sie anfangs zu einem neu präsentierten Partner garstig ist (vor allem, wenn der Partner jünger, bzw. ganz jung ist) - die Hennen sind einfach so, das sagt gar nichts über den späteren Erfolg einer Neu-Verpaarung aus. Es kann dauern, bis sich das Gejage legt - manchmal bis zu 2 Wochen. Erst danach kann man entscheiden, ob
es klappt oder nicht. Ganz falsch ist es, einen Verpaarungsversuch nach nur 1 bis 2 Tagen abzubrechen, denn so schnell geht es selten. Auch ein Trenngitter hilft nicht -macht das Ganze eher schlimmer. Also der Neue muß dadaurch, solange kein Blut fließt, muß er das Gejage aushalten.Klingt hart, ist aber so. Wenns gar nicht geht kann man höchstens erst mal wieder 2 Käfige aufstellen und nur zum Freiflug zusammen lassen. Die Frage ist aber: ist der Neue auch wirklich ein Männchen und der alte Vogel ein Weibchen...?

Die beiden Vögel unseres Agaporniden-Pärchens streiten sich häufig. Brauchen sie einen anderen Partner?
Wenn sich die beiden Vögel absolut nicht verstehen, sich vielleicht öfter beissen, bis es blutet, ist es schon besser, sie bekommen beide einen neuen Partner. Dazu muss man aber quasi 200%ig sicher sein, um welches Geschlecht es sich wirklich bei den Beiden handelt - nicht daß man nachher die gleiche Situation vorfindet wie vorher. Meistens ist es bei uns so, daß wenn 2 Vögel sich dermaßen streiten, es sich um 2 Weibchen handelt (die Männchen sind meist friedlicher) - aber keine Regel ohne Ausnahme. Dann muss man außerdem sicher sein, daß der /die Vögel, die man dazuholt oder austauscht auch das passende Gegengeschlecht hat. Auch das wird schwierig werden, denn die meisten Händler, Züchter oder Privatleute kennen das Geschlecht ihrer Tiere nicht sicher. Am einfachsten ist es, man findet eine Voliere, in der sich die beiden Tiere ihre neuen Partner selber aussuchen können, dann ist sicher,daß die neuen Paarungen stabil sind. Es kann aber auch sein, daß sich die beiden Streithammel unter vielen fremden Vögeln auf einmal gut vertragen und gar nicht daran denken, sich zu trennen. Dann ist guter Rat teuer, dann kann man sie wirklich nur noch künstlich trennen oder aber man läßt die beiden zusammen und holt noch ein zweites, fest verpaartes Pärchen dazu.
Die Erfahrung zeigt nämlich auch, daß sich Streithammel, wenn plötzlich Konkurrenz in Form eines zweiten Pärchens da ist, auf einmal zusammenraufen können. Der Vorteil, den 2 Paare auf jeden Fall immer haben und weshalb ich eigentlich immer die Haltung von 2 Paaren empfehle, ist der, daß 1. keine Langeweile in der Voliere aufkommt und daß 2. die Harmonie innerhalb der Paare immer besser ist (denn der "Feind" ist das andere Paar, nicht der eigene Partner *g*). Alles in allem ist es nicht einfach, in diesem Fall einen Rat zu geben, wie man am besten vorgeht. Viel hängt davon ab, ob die Geschlechterfrage bei den vorhandenen und den neu zukommenden Vögeln sicher zu lösen ist (notfalls geht es immer durch Geschlechtsbestimmung im Labor) und davon, ob es evtl.auch möglich wäre, 2 Paare zu halten.

Unser Vogel-Weibchen legt ständig Eier, was sollen wir dagegen tun?
Oberstes Gebot: AUF GAR KEINEN FALL EINEN NISTKASTEN ANBIETEN!
Trotzdem läßt es sich nicht immer verhindern, daß die Vögel, allen voran die Weibchen, früher oder später in Brutstimmung geraten und dann im Eifer des Gefechts die Eier sogar ohne Nistkasten irgendwo im Käfig (sogar auf dem Boden) oder bei Freiflug in einer gemütlichen Ecke des Zimmers legen.
Es nutzt in diesem Falle nichts, die Eier zu entfernen, im Gegenteil. Das Weibchen würde so lange weiter legen, um ihr Gelege komplett zu machen, bis sie am Ende aus Entkräftung damit aufhören muß. Damit so etwas auf gar keinen Fall passiert, sollte man die Henne ganz einfach auf ihren Eiern brüten lassen - allerdings nicht ohne vorher dafür gesorgt zu haben, daß aus ihnen nichts schlüpfen kann. Man kann die Eier dazu abkochen oder gegen Plastikeier austauschen. Die meisten Weibchen verlassen das Gelege nach Ablauf der normalen Brutdauer selber; wenn nicht kann man die Eier nach ca. 4 Wochen entfernen. Hat die Henne damit ihren Bruttrieb abreagiert, legt sie in der Regel nicht sofort wieder.
Es gibt allerdings Hennen (z. B. solche, die einzeln gehalten werden, die sehr zahm sind oder denen es einfach zu zweit allein mit Partner langeweilig ist), bei denen das Eierlegen zu einer Art schlechten Angewohnheit wird. Übermäßiges Eierlegen schwächt solche Weibchen auf Dauer extrem. Sie laufen Gefahr, durch Mangelerscheinungen und Entkräftung in eine lebensgefährliche Legenot zu geraten. Manchmal gelingt es, diese Vögel durch veränderte Haltungsbedingungen vom dauernden Eierlegen abzubringen. Mehr Freiflug, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, am Besten sogar ein zweites Pärchen oder die Haltung im Schwarm (also mit gesunder Konkurrenz) können helfen.
Auch eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln kann in Erwägung gezogen werden, denn schaden kann dies auf jeden Fall nicht. In ganz hartnäckigen Fällen
sind allerdings eine oder mehrere hormonelle Behandlungen oder die Kastration die einzige Lösung. Bei einer Hormonbehandlung werden dem Weibchen Hormone (hCG-Präparat) gespritzt oder auf die Haut gegeben, um so die Legetätigkeit zu unterbinden. Bei der Kastration wird der Legedarm der Vögel operativ entfernt.