Niedrige Schlupfraten

Immer wieder kommt es vor, daß aus befruchteten Eiern nach Ablauf der normalen Brutzeit keine Jungtiere schlüpfen. Entfernt man die Eier aus dem Gelege und öffnet sie, stellt man unter Umständen fest, daß sich darin ein voll entwickelter, aber toter Jungvogel befindet, der es nicht geschafft hat, die Eihülle zu durchbrechen. Die Ursache dieses Phänomens ist nicht genau bekannt; es gibt jedoch 2 Theorien über mögliche Ursachen dieses Phänomens, die hier kurz angeführt werden sollen. Im Allgemeinen wird eine mangelnde Luftfeuchtigkeit (Zucht in den Wintemonaten bei trockener Heizungsluft?) für schlechte Schlupfraten bei Agaporniden verantwortlich gemacht. Diese Theorie scheint in sofern einleuchtend, als daß in freier Natur die Weibchen auch während der Brut immer wieder neue, feuchte Rindenstücke in die Bruthöhle einbringen und so für ausreichende Feuchtigkeit sorgen. Die Empfehlung geht deshalb dahin, die Gelege feuchtzuhalten - sei es durch Anbieten frischer Zweige, Anbieten einer Badegelegenheit für die Eltern, bis hin zum Schwemmen der Eier und Befeuchten des Nistkasten. Nach eigener Erfahrung ist es von Vorteil neben Angebot von Zeigen und Badeschale, den Nistkasten täglich mit einer Blumenspritze von außen mit Wasser zu sprühen. Auf diese Art und Weise konnte das Problem nicht-schlüpfender Jungtiere in der eigenen Zucht erfolgreich umgangen werden.
Eine zweite Theorie, warum es Jungtiere nicht schaffen, die Eihülle zu durchbrechen ist die, daß Jungtiere aus bestimmten Elternverpaarungen einen relativ hohen Inzuchtfaktor besitzen ("Linienzucht") und daher möglicherweise lebensschwach sind.

Rupfen der Jungtiere

Eine Sache, die bei fast jeder Jungenaufzucht bei Agaporniden auftritt, ist das Gerupftwerden der Jungvögel durch die Eltern, und zwar vom ersten Moment an, in dem die Federn zu wachsen beginnen. Es dringen dann leise, fiepende Geräusche der Jungen aus dem Nistkasten und man hat den Eindruck, die Tiere bekommen immer weniger Federn anstatt mehr. Hält sich das Rupfen in Grenzen (nur Rücken und Schultern betroffen), ist kein Eingreifen notwendig. Die Federn wachsen wenige Wochen nach dem Ausfliegen der Jungen wieder nach. Nur in extremen Fällen kommt es vor, daß die Jungvögel von den Eltern regelrecht verstümmelt werden, so daß mit bleibenden Schäden zu rechnen ist. In einem solchen Fall bleiben 4 Möglichkeiten: die Jungen an den betroffenen Stellen mit Handcreme bestreichen, so daß die Eltern möglicherweise mit dem Rupfen aufhören, die Ammenaufzucht durch ein anderes Agapornidenpaar, dessen Jungen im gleichen Alter wie die gerupften Jungvögel sind, die Handaufzucht oder (bei etwas älteren Jungtieren) eine teilweise Abtrennung der Jungtiere von den Eltern, so daß das Füttern möglich ist, das Rupfen aber unmöglich wird. Eine solche Abtrennung kann durch Austausch des geschlossenen Nistkastens gegen ein vorne offenes, aber mit Draht bespanntes Schlafhäuschen erfolgen. In der Regel ist der Fütterungstrieb der Eltern so stark, daß die Jungtiere auch durch dieses Gitter hindurch gefüttert werden. Ist dieses nicht der Fall, bleiben nur die zuerst beschriebenen Möglichkeiten.
Es gibt Beobachtungen, aufgrund deren angenommen wird, daß die Eltern rupfen, die selbst als Junge gerupft wurden. Solche Tiere sollten daher evtl. nicht mehr für eine Zucht zugelassen werden.

Handaufzucht

Kommt es bei einer Brut vor, daß die Elterntiere ihre Jungen nicht versorgen wollen oder können, hat man als Halter die Verantwortung, einzugreifen und im Notfall, wenn nichts anderes geht, die Jungtiere per Hand aufzuziehen. Leider werden aber sehr viele Papageien in die Handaufzucht übernommen, ohne daß dies eigentlich nötig wäre. Es ist oft so, daß den Elterntieren Eier oder Jungtiere weggenommen werden, da man so mehr Nachkommen von einem Paar erhält (die Tiere legen ja meist wieder) und da sich für zahme Handaufzuchten ein besserer Preis erzielen läßt als für nicht-zanhme Jungvögel aus Naturbruten. Vor allem bei Großpapageien werden daher sehr oft Handaufzuchten durchgeführt; eher selten bei Agaporniden (aus dem Grunde, daß nur wenige Leute bereit sind, für diese kleinen Vögel einen extrem hohen Preis zu zahlen). Der Effekt ist aber bei allen Arten der Gleiche: die Tiere werden mehr oder weniger fehlgeprägt (mehr, wenn sie keine Artgenossen kennenlernen; weniger, wenn sie zumindest mit Artgenossen aufwachsen oder schnellstmöglich in eine Gruppe Jungvögel der gleichen Art integriert werden). Tatsache ist aber, daß zahme, handaufgezogene Tiere meist Einzeltiere werden sollen und dies ihr Leben lang bleiben, weil die zukunftigen Besitzer kein Interesse daran haben, daß sich der zahme Vogel für etwas anderes als den Menschen interessiert. Probleme stellen sich meist erst dann ein, wenn die solche Vögel geschlechtsreif werden und dann Verhaltensstörungen zeigen - Aggressivität, Schreien, Rupfen, ect.. Im günstigsten Fall erfolgt dann der Versuch, den Vogel nun doch mit einem Artgenossen zu Verpaaren - mit einem Gegenüber, das er noch nie oder schon lange nicht mehr gesehen hat: einen anderen Vogel. Im ungünstigeren Fall wird so ein Problemvogel abgegeben (evtl. holen sich die Besitzer gleich einen neuen Vogel) und wandert dann auf einem längeren Leidensweg durch endlos viele Besitzerhände. Was hier beschrieben wird ist sicherlich der Extremfall, aber der ist leider gar nicht selten. Vogelstationen, die solche Vögel letztendlich aufnehmen, können sich über ungenügende Auslastung nicht beklagen. Die Annahme vieler Besitzer, daß Problemtiere mit Verhaltensauffälligkeiten durch Änderung ihrer Lebensumstände und Verpaarung mit einem Vogelpartner schnell wieder "normal" werden, ist leider meist ein Trugschluß; viele der erworbenen Störungen verschwinden nicht wieder oder erst nach längerer Zeit.
Es ist richtig, daß nicht alle Tiere, die zahm sind und ohne Artgenossen leben müssen, zu Problemtieren werden (oftmals werden Verhaltensstörungen vom Besitzer allerdings einfach bemerkt). Als Fazit bleibt daher an dieser Stelle daher nur zu sagen: die Effekte der Handaufzucht auf die Psyche von Papageien sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig geklärt, es gibt jedoch Hinweise darauf, daß handaufgezogene Tiere eher zu Fehlverhalten neigen als Tiere aus Naturbruten. Die Handaufzucht sollte daher eher kritisch betrachtet werden und dem Notfall vorbehalten sein. Handaufgezogene Vögel sollten so schnell wie möglich in eine Gruppe von Artgenossen integriert werden.

Dauerleger

Wenn eine Hennen einzeln gehalten werden, zahm sind oder wenn ihnen und dem Partner zu wenig Abwechslung geboten wird, kommt es häufig dazu, dass das Eierlegen zu einer Art schlechten Angewohnheit wird und das Weibchen auf Dauer extrem schwächt. Nistkästen gehören daher auf gar keinen Fall zur Standardeinrichtung eines Vogelkäfigs! Kommen die Eier auch ohne Bruthöhle, sorgen Sie zuerst dafür, dass aus den Eiern nichts schlüpfen kann (Abkochen) oder tauschen Sie die Eier gegen Platikeier aus. Die Henne kann dann in Ruhe 3 Wochen brüten und so ihren Trieb abreagieren. Nimmt das Eierlegen danach kein Ende überprüfen Sie die Haltung. Einzelne Hennen benötigen einen Vogelpartner. Bei einem Pärchen schafft man sich ggf. noch ein zweites Pärchen an, denn es vertreibt die Langeweile und es entsteht eine gesunde Konkurrenz. Verringern Sie außerdem die Tageslichtlämnge auf max. 8 Stunden pro Tag. Füttern sie rationiert und etwas weniger Obst und Gemüse als gewohnt, auch kein eiweißreiches Futter. Bringt eine solche Änderung der Lebensumstände nicht den gewünschten Effekt kann man die Henne homöopthisch (Hormeel) oder hormonell Behandlung (hcG-Präparat, Z. B. Ovogest) behandeln lassen (Vogeltierarzt!). Nur im Notfall wird eine dauerlegende Henne möglicherweise durch entnahme des Legedarms kastriert.